Wandern auf Teneriffa: Auf den Spuren alter Wasserwege

Das wichtigste Stück des Reisegepäcks
Ist und bleibt ein fröhliches Herz.
Hermann Löns (1866 – 1914)

Teneriffa ist die Größte aller kanarischen Inseln und wie die anderen Insel des Archipels vulkanischen Ursprungs. Unübertroffen von ihrer Fläche und Höhe bietet Teneriffa ein vielseitiges Landschaftsbild. Der Süden der Insel präsentiert sich wüstenhaft, der Norden hingegen ist eher feucht und in höheren Lagen üppig bewaldet. Rund um den höchsten Berg Spaniens, den Pico del Teide, findet man sogar eine subalpine Hochgebirgsregion. Aufgrund mehreren völlig unterschiedlichen Vegetationszonen weist die Insel eine vielfältige Vegetation auf – zahlreiche Pflanzenarten sind nur auf den Kanaren oder sogar nur auf Teneriffa heimisch.

Das hört sich doch vielversprechend an, als wir unsere diesjährigen Urlaubspläne besprechen. Nach Lanzarote und Fuerteventura wird nun Teneriffa die dritte Insel der Kanaren, die ich Mitte März besuchen werde. Ein Grund mehr, mich mit möglichen Wanderungen zu beschäftigen. Da ich von Wanderführern nicht genug bekommen kann (ich lese sie, wie manch andere Krimis lesen), führte mein Weg direkt in meine Buchhandlung des Vertrauens. Dort wurde mir der Rother Wanderführer über Teneriffa sehr ans Herzen gelegt und ich musste nicht lange überlegen; Sekunden später durfte ich ihn mein Eigen nennen.

Bei einem Glas Wein warf ich einen ersten intensiveren Blick in den Wanderführer und wusste sofort, es wird ziemlich schwer, sich auf ein paar Touren zu einigen. 85 Tourenvorschläge über die gesamte Insel verteilt. Ich suchte mir ein paar Favoriten raus und entschied mich, vor Ort zu entscheiden, da der Wetterdienst leider wechselhaftes Wetter vorhergesagt hat.

In der Stadt Puerto de la Cruz, welche im nördlichen Teil der Insel südwestlich der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife liegt, angekommen, machte sich leichte Ernüchterung breit. Von den üppig bewaldeten Berghängen ist nicht viel zu sehen, der Nebel hing tief ins Tal hinein. Zudem war der Himmel mit einer dunklen Wolkendecke durchzogen und ein kühler Wind blies mir ins Gesicht. Der Wetterbericht für die kommenden Tage machte auch nicht viel Hoffnung, es soll wechselhaft bleiben. Darauf gab es erstmal ein Glas Sangria.

Am dritten Tag unseres Urlaubs ein kleiner Hoffnungsschimmer. Die Regenwahrscheinlichkeit war nicht sehr hoch, der Wind war zwischenzeitlich abgeflacht. Endlich ein guter Tag zum Wandern. Wir entschieden uns für eine kurze, mittelschwere Wanderung auf alten Wasserwegen im oberen Orotava-Tal.

Mit dem Bus ging es für uns von Puerto de la Cruz zum Picknickplatz La Caldera (dt. der Kessel) in der Nähe von Aguamansa. Das Streckennetz auf der Insel ist gut ausgebaut, man kommt auch ohne Mietauto günstig quer über die Insel von A nach B. Lediglich die halsbrecherische Fahrweise der Busfahrer ist gewöhnungsbedürftig.

Am Parkplatz von La Caldera angekommen, folgen wir einer breiten Forststraße (Richtung Los Organos) vorbei an einem lichten Waldstück. An der Choza Pedro Gil, einer kleinen Schutzhütte, entdecken wir ein Warnschild. Des Spanischen nicht sonderlich mächtig, teilt uns unser Google Übersetzer mit, dass der Weg aufgrund eines Erdrutsches gesperrt sei. Nach kurzem überlegen, entschlossen wir, dem Weg bis zum Ort des Erdrutsches zu folgen.. er kam einfach nicht und somit gingen wir erfreut weiter, bis wir an einem großem Wasserhaus im Barranco Madre del Agua ankamen.

Rechts neben dem Haus zweigt ein Camino (dt. Weg) ab, der nach wenigen Minuten, teilweise über Stufen, steil am Rand des eindrucksvollen, tief eingeschnittenen Barranco Madre del Agua ansteigt. Inzwischen sind wir dicht umgeben von Bäumen und die Luftfeuchtigkeit ist aufgrund des Nebels sehr hoch. Wir haben das Gefühl, durch einen Dschungel zu gehen. Stetig bergauf gehend gelangen wir, einem ehemaligen Wasserkanal folgend zu einem verfallenen Steinhaus. Von den Bäumen hängen grüne Flechten und der Weg ist teilweise mit Sträuchern verwachsen, was dem Ganzen mit den Nebelschwaden etwas mystisches verleiht.

Nach dem Abstecher zu dem Steinhaus folgen wir einem Camino im leichten Auf und Ab. Inzwischen hat sich der Nebel etwas gelichtet und gibt die Aussicht auf Puerto de la Cruz und dem Atlantik frei. Die Aussicht auf den Pico del Teide bleibt uns hingegen während der gesamten Wanderung verwehrt.

Links am Wegesrand gesellt sich ein ehemaliger, aber noch gut zu erkennnender Wasserkanal zu uns. Diesem folgen wir, inzwischen leicht abwärts, Richtung Tal. Wir passieren verfallene Wasserverteiler und eine, etwas schluchteinwärts gelegene, leicht versteckte kleine Wasserkanalbrücke.

Nach etwa einem Kilometer trifft der kleine Camino nun wieder auf die große Forststraße, auf welcher wir wieder zum Picknickplatz La Caldera gehen. Von hier bringt uns der Busfahrer waghalsig aber sicher nach Puerto de la Cruz zurück.

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