Wandern in den Vogesen: Lac Blanc – Soultzeren Eck – Gazon du Faing

Neben dem Schwarzwald kann man von Freiburg aus noch ein weiteres Mittelgebirge in kürzester Zeit erreichen: die Vogesen. Die Vogesen kann man quasi als das Schwestergebirge des Schwarzwalds sehen, da beide bis vor 50 Millionen Jahren ein zusammenhängendes Gebirge gebildet haben. Erst durch die Absenkung des Oberrheingrabens sind beide Bergzüge voneinander getrennt.

Auch wenn beide Gebirge von der Geologie gleich sind, gibt es einige Unterschiede zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald. Im Unterschied zum Schwarzwald findet sich in den Vogesen ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender Kamm und trennt somit die nach Ost und West laufenden Täler streng voneinander ab. Des weiteren kommt es in dem Vogesen zu stärkerem Niederschlag, was an der exponierten Lage der Vogesen liegt. Zudem ist das französische Mittelgebirge weniger besiedelt, in den Kammlagen der Südvogesen findet lediglich Almwirtschaft statt.

Aufgrund der Nähe zu Freiburg habe ich mir bereits seit zwei Jahren vorgenommen, auch die Vogesen zu Fuß zu erkunden. Anfang Mai war es endlich so weit. Bei einem Trip mit dem Wohnmobil, verbrachte ich zwei Nächte an der Kammstraße Route des Crêtes. Die 77 Kilometer lange Route des Crêtes verläuft, meist westlich der Gipfel, vom Col du Bonhomme in der Nähe des Lac Blanc im Norden bis nach Cernay im Süden. Sie war ursprünglich eine Militärstraße, die von den Franzosen im Ersten Weltkrieg zur Versorgung der Armee bei der Eroberung des 1871 an das Deutsche Reich gefallenen Elsass gebaut wurde. Heute ist sie eine beliebte Ausflugsstraße und Reiseziel vieler Einheimischen und Touristen.

Der erste Abschnitt scheint auch bei Schlangen beliebt zu sein.

Nach einer erholsamen Nacht am Ufer des Lac Blanc, dem größten Karsee der Vogesen, konnte nun unsere Wanderung beginnen. Der Parkplatz am Lac Blanc diente praktischerweise auch als unser Startpunkt. Von dort geht es auf einem steilen, stellenweise auch gesicherten Fels- und Wurzelpfad (Markierung rot-weiß-rot) in Richtung des Kletterfelsens Château Hans den Berg hinauf. Hier ist gelegentlich richtig Muskelkraft gefordert, wenn man sich mal wieder auf einem der Felsen hinauf stemmen muss. Kurz vor dem Kletterfelsen biegen wir dann links ab zu kleineren Felsen, von denen man eine tolle Sicht auf den unter uns liegenden Lac Blanc hat.

Der Kletterfelsen Château Hans

Von dort folgen wir einem schmalen Waldweg Richtung Seekanzel/Observatoire Belmont, einem Felsen, von dem man einen herrlichen Blick auf die Berge jenseits des Weißtals hat. Am Horizont breitet sich die Rheinebene aus, bei klarer Sicht könnte man vielleicht sogar den Schwarzwald erkennen.

Heidelbeeren im Wachstum

Nun führt uns der Weg in Richtung Lac Noir. An der nächsten Abzweigung halten wir uns rechts in Richtung „Schlucht“ und folgen dem Waldhangpfad hoch über dem Schwarzen See. Ruhig ist es hier, auf diesem Abschnitt finden sich kaum andere Wanderer – traumhaft. Der Lac Noir ist ein aufgestauter Karsee, der seinem Namen aufgrund des schwarzen Moorbodens erhalten hat.

Lac Noir

Wir gelangen nun in die Legföhrenzone und folgen dem Weg bis zur Quelle des Lac Noir. Dort lassen wir uns auf die von der Sonne gewärmten Steine nieder und genießen unser zweites Frühstück.

Die Legföhrenzone
Die Quelle des Lac Noir

Nach der ausgiebigen Stärkung folgen wir dem Pfad weiter Richtung „Schlucht“ und gelangen zu den Hochwiesen am Soultzeren Eck. Von dort gelangen wir zum Gazon du Faing (dt. Rossberg, 1.302 Meter) und dem Taubenklangfelsen. Der Gipfelbereich des Gazon du Faing ist nahezu eben und gehört zum Gebiet der Hochweiden der Hautes Chaumes. Das gesamte Gebiet ist ein Landschaftsschutzgebiet, Infotafeln geben Wissenswertes sowie Verhaltensregeln weiter.

Hochwiesen am Soultzeren Eck

Staunend gehen wir Richtung Taubenklangfelsen (1.299 Meter hoch), von dem wir eine tolle Sicht auf den Lac des Truites (Lac du Forlet) haben. Etwas weiter erläutert eine Orientierungstafel das Panorama, man hat hier oben unter anderem Aussicht auf den Grand Ballon, den Petit Ballon und den Hohneck.

Blick auf den Lac des Truites

Der Weg führt uns nun zurück Richtung Soultzeren Eck und von dort geradeaus in Richtung „Col du Bonhomme“. Schnurstracks verläuft der Weg über die Hochwiesen Les Hautes Chaumes. Zur linken Hand hat man eine tolle Sicht auf Berge, Täler und Kuppen Lothringens. Auf dem teilweise torfigem Boden sind an manchen Stellen Holzplanken ausgelegt, so dass die Schuhe trocken bleiben.

Für ein weiteres Highlight biegen wir nun auf einem schmalen Panoramapfad zur Abbruchkante über dem Lac Blanc ab und folgen diesem bis zur Quelle des weißen Sees. Inzwischen wimmelt es in der Gegend von Wanderern, Spaziergänger und Radfahrer. Man kann sie verstehen, bei dem Ausblick und der wunderschönen Region.

Sicht auf den Lac Blanc

Von der Quelle führt uns der Weg, wieder rot-weiß-rot markiert, zurück zu dem Kletterfelsen Château Hans. Von dort ist der Abstieg ins Tal identisch mit unserem Aufstieg.

Die ca. 10 Kilometer lange Tour ist sehr abwechslungsreich und bietet tolle Aussichten auf Seen, Berge, Täler und eine atemberaubende Landschaft. Der An- und Aufstieg erfordert gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit. Für den restlichen Weg ist jedoch kein besonderes Können erforderlich. Bei gutem Wetter muss man sich darauf einstellen, dass besonders auf den Hochweiden, viele Menschen unterwegs sind. Wer seine Ruhe haben möchte, der sollte sich dann eine andere Wanderung suchen.

Meine erste Wanderung in den Vogesen war ein absoluter Erfolg und ich bin mir sicher, dass dies ganz sicher nicht meine letzte Tour in den Vogesen gewesen sein wird. Zum Glück sind sie nicht weit entfernt. In diesem Sinne: à bientôt!

Literatur:

·         „Vogesen“ von Bernhard Pollmann, erschienen im Rother Verlag, 8. aktualisierte Auflage

2 Kommentare zu „Wandern in den Vogesen: Lac Blanc – Soultzeren Eck – Gazon du Faing

  1. Obwohl Schwarzwald und Vogesen miteinander verwandt sind, sind die Landschaften ziemlich unterschiedlich. Ob das in den ganzen Vogesen so ist weiß ich nicht. Wir waren nur einmal dort wandern und zwar in der Nähe von Munster.

    Schöne Bilder hast du mitgebracht. Danke für’s Mitnehmen.

    Liebe Grüße
    Harald

    Gefällt 1 Person

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